Montag, 28. November 2022
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Eine Zukunft für die Vergangenheit – Dr. Joachim Zeune berichtete über die Ruine Schmachtenberg und die Zeiler Stadtmauer

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Der Burgenforscher und Mittelalterarchäologe Dr. Joachim Zeune referierte am Mittwoch in Zeil über die Burgruine Schmachtenberg und die Zeiler Stadtmauer. Etwa 130 Gäste waren zu dem Vortrag ins Rudolf-Winkler-Haus gekommen, der im Rahmen des Landkreis-Kulturprogramms KUNSTSTÜCK stattfand.

Zeune, der ein Büro für Burgenforschung in Eisenberg-Zell im Allgäu betreibt, war an der Sanierung der Burgruine von 1995 bis 2007 sowie an der der Stadtmauer 1995 bis 2010 maßgeblich beteiligt. Zu Beginn dankte er Altbürgermeister Christoph Winkler, der sich damals für die mustergültigen Restaurierungsarbeiten in Zeil stark gemacht hatte. Zeune ging zunächst auf die Forschungsarbeiten an der Ruine Schmachtenberg ein, bei denen zahlreiche interessante Erkenntnisse gewonnen werden konnten. So wurde beispielsweise nachgewiesen, dass die Burg früher über insgesamt sechs Türme, darunter ein großer Wohnturm, verfügt hatte. Bei der Sanierung wurde vorhandener Bestand gesichert und teilweise befundgetreu rekonstruiert. Dabei griff das Team um Joachim Zeune zum Teil sogar auf mittelalterliche Bauweisen zurück, etwa bei der Rekonstruktion der Bogenarchitektur. Um diese mit einem Lehrgerüst wiederherzustellen, nutzen die Archäologen nämlich die originalen Gerüstlöcher in der Burgmauer aus dem 15. Jahrhundert. Als Abschluss der Sanierung entstand eine virtuelle Rekonstruktion der Burg, die in einem Film auf der Internetseite der Stadt Zeil zu sehen ist (www.denkmal-zeil.de).

Im Anschluss stand die Stadtmauer im Mittelpunkt des Vortrags. Stadtbefestigungen, so Zeune, seien im Mittelalter wichtig für die Außenwirkung und Repräsentation der Städte gewesen. Vor allem in der Zeit der Hussiteneinfälle in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, hätten viele Städte auf eine wehrhafte Stadtmauer gesetzt. So sei auch die Zeiler Stadtbefestigung in dieser Zeit deutlich erweitert worden. In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts sei sie jedoch in keinem guten Zustand mehr gewesen. Kriege früherer Jahrhunderte, städtebauliche Veränderungen des 19. Jahrhunderts und später die Privatnutzung von Mauerteilen durch Grundstückseigentümer, hätten dem Bestand deutlich zugesetzt. Von daher sei die Sanierung ab 1995 ein großer Gewinn für die Stadt Zeil gewesen.

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Zeune beendete seinen Vortrag mit einem Exkurs zur Umstellung der Wehrarchitektur auf Feuerwaffen ab 1410/1420, wobei er unter anderem nochmals auf die Burgruinen Lichtenstein, Altenstein und Raueneck im Landkreis Haßberge einging.

Das Kulturprogramm KUNSTSTÜCK, das von der Koordinierungsstelle für Kultur & Bildung im Landratsamt Haßberge umgesetzt wird, vereint zahlreiche unterschiedliche Kulturveranstaltungen unter einer Dachmarke. Auch kunst- oder baugeschichtliche Vorträge sind immer wieder Bestandteil. Informationen über weitere interessante Kulturveranstaltungen gibt es in der aktuellen KUNSTSTÜCK-Broschüre oder unter www.kulturraum-hassberge.de/veranstaltungen. Informationen erteilt die Koordinierungsstelle für Kultur & Bildung unter kulturraum@hassberge.de oder 09521/27674 oder -694.

Zur Person Joachim Zeune:

Dr. Joachim Zeune, geboren 1952 in München, ist Mittelalterarchäologe, Historiker und Burgenforscher. Er betreibt ein Büro für Burgenforschung in Eisenberg-Zell im Allgäu. Darüberhinaus ist er Kurator des Europäischen Burgeninstituts und Ehrenmitglied im Scientific Council von Europa Nostra. Außerdem ist er seit 2003 erster Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung e. V. Als Burgenexperte war er maßgeblich an der Sanierung mehrerer Burgen im Landkreis Haßberge sowie an der Einrichtung des burgenkundlichen Lehrpfads und des Deutschen Burgenwinkels beteiligt.

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