Dienstag, 21. Mai 2024
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Schonungen setzt auf klimaresistente Baumarten

Beim Bürgerwaldtag konnten sich Interessierte über den Waldumbau informieren

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SCHONUNGEN. Nach Corona fand erstmalig wieder der Bürgerwaldtag in Schonungen statt. Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich unter der Leitung von Bürgermeister Stefan Rottmann, Revierleiter Lukas Haftner und Betriebsleiter Stephan Thierfelder über die aktuelle Situation des Gemeindewaldes. Roter Faden des halbtägigen Waldbeganges in der Gemarkung Hausen waren die bereits heute sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels und die Konzepte für einen klimastabilen Zukunftswald.

Zu Beginn diskutierten die Teilnehmer angeregt, welche unterschiedlichen Risiken für die verschiedenen Baumarten des Gemeindewaldes zu erwarten sind. Dabei kommen die Zukunftsrisiken nicht alleine vom Klimawandel, sondern auch vom globalisierten Handel und Tourismus hinsichtlich des Einschleppens von Insekten und Pilzen aus anderen Ländern.

Revierleiter Lukas Haftner stellte vor, wie der kommunale Forstbetrieb durch die Pflanzung von trockenheitstoleranteren Elsbeeren und Speierlingen in Buchennaturverjüngungen  die Baumartenvielfalt und Klimastabilität der neuen Waldgeneration erhöht. Allerdings hat die regenarme Phase in diesem Frühsommer bereits manche junge Bäumchen vertrocknen lassen.

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2021 hat das Bayerische Amt für Waldgenetik die hier wachsenden Feldahorne untersucht. Aufgrund des hervorragenden Erbgutes werden diese Bäume nun Baumschulen für die Saatgutbeerntung zur Nachzucht junger Bäume angeboten. Nach heutiger Einschätzung ist der Feldahorn eine Baumart, die recht gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommt. Und das Feldahorne ein Wachstum wie unsere einheimischen Eichen zeigen, konnten die Teilnehmer im Wald oberhalb des Hausener Steinbruchs eindrucksvoll sehen.

Nahebei wurde 2015 vom damaligen Revierleiter Rainer Seufert auf einem der trockensten Böden des Gemeindewaldes eine Pflanzung mit Libanonzedern angelegt. Auch diese Baumart soll sehr gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Anfangs sind die jungen Bäumchen ausgesprochen langsam in die Höhe gewachsen, die Hauptenergie steckten sie in das Wurzelwachstum. Vorletzten Winter hat der Forstbetrieb einen wesentlichen Teil der noch darüberstehenden Altbäume eingeschlagen, damit die jungen Libanonzedern nun im vollem Licht wachsen können.

Revierleiter Haftner stellte an dieser Stelle auch die Aktivitäten der Gemeinde für den Waldnaturschutz dar. Seit der Neufassung des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogrammes Wald 2015 hat die Gemeinde Schonungen 934 Biotopbäume und 597 Totholzbäume in das Förderprogramm eingebracht.

Bei den Hügelgräbern oberhalb Hausen war zum Abschluss Waldgeschichte das Thema. Der Mensch prägt seit Jahrtausenden seine Umwelt und die hiesige Landschaft. Betriebsleiter Thierfelder erläuterte anhand von Karten aus dem Bayernatlas wie auch in Schonungen sich die Verteilung von Wald und Feld über die Jahrhunderte änderte. So waren noch Anfang des 19. Jahrhunderts Flächen mit Wald bestockt, die heute Acker sind. Umgekehrt waren heutige Waldflächen im Mittelalter als Wölbäcker genutzt. Dies zeigen Laserscans des Schonunger Waldbodens.

Mit 1200 Hektar Wald gehört die Großgemeinde zu den größten Waldbesitzern der Region. Zu etwa 90 Prozent bestehen die gemeindlichen Wälder aus Laubholzbeständen. Die Holzpreisentwicklung verlief gerade im Hinblick auf den überwiegenden Eichenbestand im Gemeindewald stabil auf hohem Niveau: Gerade die Preissegmente Fass- und Furnierholz sind für den Forstbetrieb nach wie vor sehr lukrativ.

Schonungen setzt bei der Waldbewirtschaftung auf die Nachhaltigkeit: Das ausgearbeitete Forstoperat hat einen jährlichen Zuwachs von 7900 Festmetern im Gemeindewald pro Jahr ermittelt: Die politische Zielvorgabe liegt bei 6300 Festmetern, die dem Forst jährlich entnommen wird. Es wächst mehr nach, als dem Wald entzogen wird: Der Waldvorrat steigt kontinuierlich und damit auch die Werthaltigkeit der Forstabteilungen. So lag der Waldbestand 1986 noch bei 149 Festmeter/Hektar, 2010 lag er bereits bei 231 Festmeter/Hektar und soll bis zum Jahr 2030 auf 250 Festmeter/Hektar ansteigen. Mit 19 Hektar kann die Gemeinde zudem auf einen hohen Anteil an Ökoflächen verweisen.

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