Samstag, 20. April 2024
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Mainfränkische Touristiker hoffen und bangen zugleich

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MAINFRANKEN. Nach dem Auslaufen der Corona-Beschränkungen sind die touristischen Übernachtungszahlen in Mainfranken im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen, wie jüngste Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und der IHK zeigen. Dennoch bleibt die Lage für viele Tourismusbetriebe angespannt.

Im Jahr 2019 – und damit vor Ausbruch der Coronapandemie – kamen rund 6,3 Millionen Übernachtungsgäste aus dem In- und Ausland nach Mainfranken. Die Kontakt- und Reisebeschränkungen hatten in den Jahren 2020 und 2021 jedoch zu einem massiven Einbruch geführt. Die seit dem Frühjahr 2022 wieder aufgeflammte Reiselust sorgt nun für deutliche Zugewinne im mainfränkischen Tourismus: Rund 5,7 Millionen Übernachtungen verzeichnete die amtliche Statistik für das Jahr 2022. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von rund 36 Prozent. „Es ist erfreulich, dass es im mainfränkischen Tourismus wieder aufwärts geht. Die Branche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region“, erklärt IHK-Bereichsleiter Dr. Christian Seynstahl. „Allerdings haben die Übernachtungszahlen trotz deutlicher Zugewinne das Vor-Corona-Niveau bislang noch nicht wieder erreicht.“ Die Zahlen liegen in Mainfranken immer noch um rund 656.000 oder gut zehn Prozent unter jenen aus dem Jahr 2019. Die Daten würden aber auch zeigen, dass die Touristen nun im Schnitt etwas länger in der Region verweilen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei 2,7 Tagen, im Vergleich zu 2,5 Tagen im Jahr 2019.

Tourismus in den Landkreisen

Es lassen sich in den einzelnen Landkreisen jedoch deutliche Unterschiede feststellen: Während die Übernachtungszahlen in den Städten Würzburg und Schweinfurt gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent beziehungsweise 58 Prozent gestiegen sind, war der Anstieg in den Landkreisen Kitzingen und Bad Kissingen mit jeweils rund 26 Prozent am geringsten. „Tagungen, Messen, Kongresse und Geschäftsreisen haben wieder deutlich zugelegt, davon profitieren insbesondere die Städte. Sie haben jedoch in den Corona-Jahren 2020 und 2021 auch die stärksten Einbußen verkraften müssen, wohingegen eher ländlich geprägte, naturnahe Destinationen auch während der Coronazeit vom Urlaub zuhause profitiert haben“, erklärt Seynstahl.

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Die meisten Übernachtungen in Mainfranken entfielen 2022 auf den Landkreis Bad Kissingen (rund 1,8 Millionen), gefolgt von der Stadt Würzburg (rund 829.000). Die geringsten Übernachtungszahlen verzeichnete der Landkreis Schweinfurt (rund 90.500). Prozentual besonders deutlich stieg im Vorjahresvergleich der internationale Reiseverkehr. So haben im Jahr 2022 gut 87 Prozent mehr Gäste aus dem Ausland in Mainfranken übernachtet. Bei inländischen Gästen lag der Anstieg dagegen „nur“ bei rund 33 Prozent.

Hoffnung auf Urlaubsreisende in 2023

Wie die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturbefragung zu Jahresbeginn 2023 für das mainfränkische Tourismusgewerbe zeigen, hat die Geschäftstätigkeit der Unternehmen im Vergleich zur Vorbefragung im Herbst 2022 saisonbedingt nachgelassen. Dennoch bewerten 93 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage mindestens als zufriedenstellend. Gegenüber dem Vorjahr, als hohe Corona-Infektionszahlen und daraus resultierende Beschränkungen die Geschäfte der Tourismusbranche massiv ausbremsten, zeigt sich aber eine deutliche Verbesserung. Per Saldo erreichen die Lagebeurteilungen heute einen Wert von zwölf Punkten, gegenüber 27 Punkten im vergangenen Herbst bzw. minus 83 Punkten zum Jahresauftakt 2022.

Mit Blick auf das laufende Jahr 2023 bleibt die Stimmung verhalten, hat sich aber gegenüber der Vorbefragung aufgehellt. Zwölf Prozent der Tourismusbetriebe erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte, deutlich mehr Unternehmen (46 Prozent) rechnen allerdings mit Einbußen. Künftig wird mit einer geringeren Nachfrage im Bereich der Tagestouristen und Geschäftsreisenden gerechnet, die Hoffnung ruht allein auf den Urlaubsreisenden. „Die Reiselust der Menschen im In- und Ausland ist nach der Coronapandemie ungebrochen, doch die mainfränkischen Tourismusbetriebe stehen auch vor der Frage: Können sich all jene, die verreisen möchten, in Zeiten hoher Inflation überhaupt noch einen Urlaub leisten?“, so IHK-Referentin Elena Fürst. Steigende Kosten für Energie und Lebensmittel stellen Reisende und Tourismusbetriebe gleichermaßen vor große Herausforderungen. 92 Prozent müssen in den kommenden Monaten an der Preisschraube drehen, doch die höheren Kosten lassen sich nur zum Teil an die Kunden weitergeben. „Für viele Betriebe kann dies zur Existenzbedrohung werden“, erläutert Fürst. Mit einem Anteil von zwölf Prozent seien so viele Betriebe wie in keiner anderen Branche von einem schlechten oder existenzbedrohenden Liquiditätsstatus betroffen. Darüber hinaus leide die Tourismusbranche in besonderem Maße unter dem Fachkräftemangel: Drei von vier Unternehmen nennen ihn als Konjunkturrisiko. Und bereits heute vermelden acht von zehn Tourismusbetriebe, dass fehlendes Personal ihre Geschäftstätigkeit zumindest teilweise einschränkt – Tendenz weiter steigend.

Übernachtungen in Mainfranken im Jahr 2022

  Gäste-übernachtungen insgesamt Veränderung zum Vorjahres-zeitraum in Prozent Durchschn. Aufenthalts-dauer in Tagen Auslastung der angebotene Betten in Prozent
Stadt Schweinfurt  215.724 58,3 1,9 39,4
Stadt Würzburg  828.760 72,7 1,6 43,6
Landkreis Bad Kissingen 1.846.605 25,5 4,9 51,1
Landkreis Rhön-Grabfeld 850.193 31,6 4,1 42,3
Landkreis Haßberge 184.778 36,6 2,1 24,4
Landkreis Kitzingen 755.561 26,2 2,2 35,1
Landkreis Main-Spessart 468.944 35,3 2,5 28,2
Landkreis Schweinfurt 90.502 49,8 2,3 20,7
Landkreis Würzburg 449.224 40,7 2,0 35,9
Mainfranken gesamt 5.690.291 35,7 2,7 keine Angabe

 

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, München, 2023; eigene Berechnung

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